In jene Tiefsee abzutauchen, in der „der Wahnsinn haust“ – das faszinierte den Künstler Arnulf Rainer, wie er 1967 notierte. Was einen dort erwartet? „Unendlicher Reichtum, konvulsive Schönheit, unglaubliche Wesen, Könige, Wälder, Gärten, Prinzessinnen, Architekturen, Edelsteine, Wolkenkinder, alles prächtiger als in eurer Kultur.“
Arnulf Rainer, mit dem das Land am 18. Dezember des Vorjahres einen seiner größten Künstler verlor, zeigte sich früh fasziniert von der Kunst, die Bewohner psychiatrischer Anstalten schufen. Eine besonders enge Beziehung pflegte er zu den Künstlern in Maria Gugging, wie eine aktuelle Ausstellung im Badener Arnulf Rainer Museum demonstriert. In diesem Heft werfen wir darauf Schlaglichter mit einer Bildstrecke sowie einer Rezension meiner Kollegin Ramona Heinlein. Darin stellt sie sich die Frage, „ob der Dualismus zwischen Krankheit und Gesundheit überhaupt zur Kategorisierung von Kunst taugt“. Wie Arnulf Rainer würden wir diese negativ beantworten. Das bildet sich in unserem neuen morgen ab, dessen Schwerpunkt das Themenfeld Kunst und Psyche ist. Dieses ergründen der Round Table zur Art brut sowie das amüsante und über weite Strecken poetische Gespräch zwischen den beiden Schriftstellern Thomas Sautner und Paulus Hochgatterer.
Wie heilsam und energetisch Kunst auf die Seele wirkt, macht die Kolumne von Zdenka Becker spürbar, in der sie uns zu einer Gospelmesse in Harlem mitnimmt. Weiter hinten im Heft geht die Wissenschaftsjournalistin Astrid Kuffner der Frage nach, wie Musiktherapie wirkt.
Wie immer ist der Mittelteil unseres Hefts einem Special gewidmet: diesmal zur Niederösterreichischen Landesausstellung, die im März im Landesklinikum Mauer nahe Amstetten eröffnet („Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psyche. Gesundheit“). Besonders gefreut habe ich mich über die literarischen Miniaturen von Simone Hirth, die vorab einen Blick auf einige Exponate warf. Ich wünsche Ihnen viel Freude mit morgen und bin wie immer gespannt auf Feedback. ● ○
Herzlichst
Ihre Nina Schedlmayer