Mitten in Manhattan konnte man 1982 ein großes Weizenfeld bewundern. Zwischen den Wolkenkratzern ragten, auf dem Aushub für die Fundamente des World Trade Centers, stolze Garben kühn in die Höhe. Sie wogten im Wind und hoben sich in leuchtend goldenem Farbton von der sterilen Urbanität des Umfelds ab. „Wheatfield – A Confrontation: Battery Park Landfill, Downtown Manhattan“, eine Installation der Künstlerin Agnes Denes, verwies auf Misswirtschaft, Verschwendung, Welthunger und ökologische Probleme – gleich einem paradoxen Schauspiel pflanzte es sich vor der Silhouette von Manhattan als utopisch wirkendes Gegenüber auf, wie jüngst auf einem ikonischen Foto der Arbeit in der Ausstellung „Science/Fiction – A Non-History of Plants“ im Foto Arsenal Wien zu sehen war.
Subjekt Baum
Ebenfalls 1982 startete Joseph Beuys auf der Documenta 7 in Kassel, einem der bedeutendsten internationalen Kunstfestivals, mit der Verwirklichung seines Projekts „7.000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“. Nachdem über Jahre zuvor durch Straßenerweiterungen in Kassel bestehende Bäume den modernisierten Verkehrsbedingungen geopfert worden waren, sollten nun wieder 7.000 frisch gepflanzte Bäume die Straßen der Stadt säumen. Beuys betrachtete die Bäume als wesenhafte Subjekte, deren Rechte er wiederherstellen wollte. Seine Soziale Plastik, wie er es nannte, sollte als künstlerische und ökologische Intervention den urbanen Lebensraum nachhaltig verändern. Damit löste er in der Bevölkerung – aus heutiger Sicht kaum verständliche – Proteste aus, doch die Aktion war die größte und vielleicht richtungsweisendste in seiner Karriere.



