Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!


Seit 30 Jahren hebt sich Niederösterreich durch einen besonders avancierten Zugang dazu hervor. Ein 1996 beschlossenes Gesetz ermöglicht, Kunst im öffentlichen Raum von einzelnen öffentlichen Bauaufgaben zu lösen und an anderen Orten umzusetzen, die bisweilen unvermutet erscheinen.

Mit einem Flügel in der Luft und einem Fuß am Boden – so umschreibt Cornelia Offergeld ihre Haltung gegenüber Kunst im öffentlichen Raum. Sie war in diesem Bereich lange in Niederösterreich tätig und leitet heute die dafür zuständige Stelle in Wien. In ihrem Bild von Flügeln und Füßen treffen Vision und Realität aufeinander. Beides ist, wie bereits die Bauhaus-Künstlerin Anni Albers wusste, im Kunstwerk enthalten. Doch bei Kunst im öffentlichen Raum stellt sich die Frage nach deren Verhältnis mit einer anderen Dringlichkeit als bei einem Gemälde, das im Museum hängt.

Das aktuelle morgen dreht sich um Kunst im öffentlichen Raum. Seit 30 Jahren hebt sich Niederösterreich durch einen besonders avancierten Zugang dazu hervor. Ein 1996 beschlossenes Gesetz ermöglicht, Kunst im öffentlichen Raum von einzelnen öffentlichen Bauaufgaben zu lösen und an anderen Orten umzusetzen, die bisweilen unvermutet erscheinen. Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich (KOERNOE), einst tatkräftig und mit großer Expertise aufgebaut von Katharina Blaas-Pratscher, setzt bis heute Standards. In unserem Round Table diskutiert die aktuelle KOERNOE-Leiterin Katrina Petter mit ihrer Kollegin Offergeld sowie der Künstlerin Iris Andraschek darüber, was Kunst im öffentlichen Raum bewirken kann und wie sie sich gesellschaftlich positioniert (ab Seite 10). Weitere Beiträge fragen, wie Kunst einen Ort infiltrieren kann (ab Seite 42) und wie das Künstlerduo Nicole Six und Paul Petritsch den öffentlichen Raum definiert (ab Seite 16).

Unser Special ab Seite 26 beleuchtet den Schlosspark Grafen­egg, in dem zahlreiche Kunstwerke verteilt sind. Die Schriftstellerin Magdalena Schrefel, die 2025 einen Nestroypreis für ihr Stück „Die vielen Stimmen meines Bruders“ erhielt, nähert sich dem Ort und seinen Kunstwerken auf ihre eigene Art in einem fein gesponnenen wie komplexen Text. Einen ganz anderen Zugang zu den Kunstwerken im Schlosspark hat Alexander Malik: Er ist dort Gärtner. Wir wollten von ihm wissen, was er von den Skulpturen in seinem Reich hält.

Und Sie? Was denken Sie über Kunst im öffentlichen Raum? Schreiben Sie mir gern unter: [email protected]. Beim Lesen dieses Heftes wünsche ich Ihnen viel Freude. ● ○

Herzlichst

Ihre Nina Schedlmayer