Wie die Pflanzen im Schlosspark Grafenegg wuchs auch der Bestand an Kunstwerken, realisiert von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich (KOERNOE) in Zusammenarbeit mit der Grafenegg Kulturbetriebsgesellschaft. Seit 2007 entstehen hier kontinuierlich Kunstwerke, insgesamt bisher 16, sieben davon permanent, neun temporär.
Mit Skulpturenparks herkömmlichen Zuschnitts hat diese Anlage kaum etwas gemein. Die hier eingebetteten Werke wollen auf ihre eigene Art entdeckt werden: Besucherinnen und Besucher des Parks müssen schon genau schauen, um Bethan Huws’ Installation aus Kleiderständern („Perroquets“) zwischen den Bäumen zu entdecken. Sie erschließen sich die hier situierten Werke am besten im gemächlichen Schlendern zwischen Schloss, Bäumen, Kleinarchitekturen und Gewässern. Wer den Park erstmals betritt, weiß nie genau, was im nächsten Moment auftaucht.
Die Werke beziehen sich dabei direkt auf den Schlosspark und verstehen diesen nicht als neutrale Fläche, sondern als historisch, sozial und ökologisch aufgeladenen Raum. So geht etwa die ikonische Arbeit „Balance Capsule“ des ungarischen Künstlerduos Little Warsaw – die Kombination aus Telefonzelle und Pyramidenstumpf ist das Covermotiv dieses Heftes – von einer kritischen Untersuchung der gestalteten Parklandschaft aus. Mark Dions „Buchsdom Tower“ dagegen bricht die romantische Parkästhetik. In einer Turmruine, die aus einem Buchsbaum ragt, liegt ein verwesendes Reh – ein radikaler Eingriff, der Natur als Prozess sichtbar macht und das Publikum mit der Materialität des Lebendigen konfrontiert. Maider López’ von 2013 bis 2019 installierter „Mountain“ wiederum verschob die Wahrnehmung des Parks durch eine temporäre topografische Intervention, während Marjetica Potrčs Installation „Drinking Water“ (2009 bis 2016) Fragen der Ressourcennutzung und globalen Infrastruktur verhandelte. Performative, installative und diskursive Formate („Counterpoints“) schrieben gesellschaftliche Spannungsfelder – von Ökologie über Ökonomie bis Körperpolitik – in den Landschaftsraum ein.



