© Käthe Löffelmann
© Käthe Löffelmann

Käthe Löffelmann

Agentin mit Agenda


Hier kommt die Zukunft: An dieser Stelle präsentieren wir in jeder Ausgabe Kunstschaffende in und aus Niederösterreich, die jünger als 35 Jahre sind. Diesmal: die Künstlerin Käthe Löffelmann.
Portrait: Theresa Steiniger

Mit Menschen dort, wo diese gerade sind, durch Kunst in Berührung zu kommen – das ist Käthe Löffelmann in ihrer Arbeit am wichtigsten. „Ich möchte nicht Kunst für Eliten machen, sondern für jede Person einen Ansatzpunkt bieten. Mein Anspruch ist, dass jeder etwas mitnehmen kann“, sagt sie. Vor allem deshalb arbeitet sie gerne im öffentlichen Raum. Um ihre Ziele kreativ umzusetzen, schafft die 1994 geborene Waldviertlerin, die seit über einem Jahrzehnt in Wien lebt, großflächige Wandmalereien ebenso wie Installationen, aber auch Studioarbeiten, Foto- und Videoprojekte. Was all diese verbindet, ist Löffelmanns erklärtes Ziel, „gesellschaftlichen Mehrwert zu bieten und eine Agenda zu vertreten“.

Für ein Wandgemälde auf dem Dach des Eingangsbereichs des Wien Museums am Karlsplatz, an dem sie 2025 rund ein Monat arbeitete, wählte sie beispielsweise das Motto „Aufbruchsstimmung“. Dafür ließ sie sich von Frauen inspirieren, die Pionierinnenarbeit leisteten. Und als sie von Amnesty International gebeten wurde, eine Hauswand zu bearbeiten, entstand ein Hingucker mit dem Aufruf „Don’t just watch … take action“. Indem sie mit ihren murals den Raum, „der normalerweise im Sinne kapitalistischer Werte von Werbung besetzt ist“ für andere Botschaften nutze, wolle sie dazu beitragen, „dass Menschen über gesellschaftlich relevante Themen nachdenken“, sagt Löffelmann. Vor allem gehe es ihr um „das Einander-Sehen, das Einander-Zuhören und das Aktivwerden. Dinge, die selbstverständlich erscheinen, aber im Alltag oft vernachlässigt werden“. Themen, die sie umtreiben, sind vor allem Geschlechtergerechtigkeit, Machtgefüge und Gesellschaftskonventionen.

Dabei tritt sie gern direkt in Kontakt mit anderen Personen. Einmal lud sie Passantinnen und Passanten zum zehnminütigen Handydetox auf. Für ein aktuelles Fotoprojekt lässt sie sich von Menschen in deren Kleidung und Wohnung fotografieren. Und als fiktive Immobilienagentin wandte sie sich mit Fake-Inseraten an potenzielle Käuferinnen und Käufer. „Hier wollte ich die Absurdität von Phrasen aufzeigen, die beim Verkauf von Lifestyle­projekten verwendet werden – und verwirren“, beschreibt sie mit einem Schmunzeln.

Zuletzt arbeitete sie wiederholt in ihrer Heimat. „Meine Beziehung zu Niederösterreich ist nicht einfach zu beschreiben“, sagt sie zögerlich. „Am Anfang meiner Karriere war der Impuls groß, an Orte aufzubrechen, wo ich mehr Raum für meine Projekte vermutete. Aber jetzt kann ich das Waldviertel wieder mehr wertschätzen, auch als Ort für meine Kunst.“ ● ○